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Im September geht das Sommerhalbjahr
zu Ende. Am 23. um 5.09 Uhr erreicht
die Sonne auf ihrer Jahresbahn den
Herbstpunkt im Sternbild der Jungfrau
und markiert damit für die Nordhalbkugel
der Erde den Herbstanfang. Für Bewohner
südlicher Breiten beginnt an diesem
Tag dagegen der Frühling. Weil die
Sonne jetzt den Tierkreis schnell hinabsteigt,
verkürzen sich bei uns die Tage im
Monatsverlauf um über zwei Stunden.
Viele Menschen werden bedauern, dass
mit dem Winterhalbjahr nun die dunkle
Jahreszeit bevorsteht. Da mag es ein kleiner
Trost sein, dass für uns auf der Nordhalbkugel
das Winterhalbjahr um neun
Tage kürzer ist als das Sommerhalbjahr.
Zwar ist der Weg im Tierkreis, den die
Sonne im Sommerhalbjahr zurücklegt,
genauso lang wie das Wegstück im Herbst
und Winter. Aber unser Tagesgestirn
durchwandert diese beiden Teilstücke ihrer
Jahresbahn mit unterschiedlicher Geschwindigkeit
– sie lässt sich im Sommerhalbjahr
etwas mehr Zeit als im Winterhalbjahr.
Der Grund hierfür liegt in der
Umlaufbewegung der Erde um die Sonne.
Im Winterhalbjahr steht unser Planet der
Sonne etwas näher als im Sommer und
bewegt sich daher im Winter ein wenig
schneller auf seiner Bahn als im Sommer.
Vom Raumschiff „Erde“ aus beobachtet,
scheint sich daher die Sonne im Winter
etwas schneller vor dem Hintergrund der
Tierkreissternbilder fortzubewegen als
im Sommer.
Der Mond steht zu Anfang des Monats
am Morgenhimmel. Gleich am 1. erreicht
er das letzte Viertel. In den frühen Morgenstunden
dieses Tages zeigt sich als
hübscher Anblick der Halbmond dicht
unterhalb des Sternhaufens der Plejaden
(Siebengestirn) im Sternbild Stier. An den
Folgetagen nimmt er eine immer schmalere
Sichelform an und bewegt sich am
Himmel gesehen auf die Sonne zu, die er
zu Neumond am 8. im Sternbild Löwe
einholt. Das Ende dieses „Mondmonats“
bestimmt im Islam auch das Ende des
Fastenmonats Ramadan.
Nach dem Neumond wird man die haarfeine
Sichel des jungen Mondes wohl erstmals
wieder in der Abenddämmerung des
11. tief im Südwesten erspähen können,
dicht neben dem Abendstern Venus. Allerdings
gehen beide Gestirne an diesem
Abend bereits gegen 20.25 Uhr unter,
wenn die Dämmerung noch sehr hell ist.
Von nun an bleibt der Mond bis zum Monatsende
am Abendhimmel. Dabei erreicht
er am 15. im Sternbild Ophiuchus
(Schlangenträger) das erste Viertel. An
diesem Abend kulminiert der Halbmond
kurz vor 20 Uhr im Süden recht niedrig
über dem Horizont, denn er hält sich in
den tiefsten Regionen des Tierkreises
auf.
Eine auffällige Konstellation kann man
an den Abenden des 22. und 23. beobachten.
Dann steht die voll beleuchtete Mondscheibe
nahe dem hellen Planeten Jupiter.
Ein weiterer hübscher Anblick ergibt sich
am Abend des 27. am Osthimmel, wenn
der abnehmende Mond zum zweiten Mal
in diesem Monat neben den Plejaden
steht.
Mond und Plejaden – diese Kombination
zeigt auch die berühmte Himmelsscheibe
von Nebra, die im Jahr 1999 von
Raubgräbern auf dem Mittelberg nahe
Nebra (Sachsen-Anhalt) freigelegt wurde.
Sie wird in die Zeit vor 3600 Jahren
(Bronzezeit) datiert und zählt zu den bedeutendsten
archäologischen Funden des
letzten Jahrhunderts. Es dürfte sich weltweit
wohl um die älteste Darstellung astronomischer
Vorgänge handeln.
Die Plejaden hatten in der Antike, und
wahrscheinlich auch schon viel früher
zur Zeit der Himmelsscheibe, eine große
Bedeutung für den bäuerlichen Kalender.
So schreibt der griechische Dichter Hesiod,
der um 700 v. Chr. gelebt hat: „Wenn
das Gestirn der Plejaden [an Herbstabenden
im Osten] emporsteigt, dann beginne
die Ernte. Doch pflüge, wenn sie [an Frühlingsabenden
im Westen] hinabgehen.“
Wenn der Mond in der Bronzezeit bei den
Plejaden stand, zeigte er sich im Herbst
als Vollmond und im Frühjahr als junge
Mondsichel. Beide Mondphasen scheinen
auf der Himmelsscheibe neben den Plejaden
dargestellt zu sein. Es gibt sogar Interpretationen,
wonach die Dicke der abgebildeten
Mondsichel eine Schaltregel
zur Synchronisierung von Mond- und
Sonnenjahr darstellen soll. Fotos der
Himmelsscheibe, ihre abenteuerliche
Fundgeschichte und weitere Informationen
findet man im Internet unter www.
lda-lsa.de/himmelsscheibe_von_nebra/.
Von den hellen Planeten lassen sich in
diesem Monat Merkur, Venus und Jupiter
beobachten. Merkur, der kleinste aller
acht Sonnenplaneten, hält sich am Himmel
gesehen immer nahe der Sonne auf
und zeigt sich nur dann in der Dämmerung,
wenn sein Winkelabstand zur Sonne
(die sogenannte Elongation) genügend
groß ist. Diesmal erreicht er am 18. seine
größte westliche Elongation zur Sonne
mit 18 Grad – das ist kaum eine Handspanne
(gegen den Himmel gehalten).
Auffindbar ist dieser selten sichtbare Planet
in der gesamten zweiten Monatshälfte
am Morgenhimmel, jeweils knapp über
dem Osthorizont. Die günstigste Beobachtungszeit
liegt in diesem Zeitraum anfangs
bei 6 Uhr, zum Monatsende bei 6.30
Uhr.
Die Abendsichtbarkeit der Venus geht
in diesem Monat zu Ende. Sie zeigt sich
nur noch in der ersten Septemberhälfte
knapp über dem Südwesthorizont in der
Abenddämmerung. In diesem Zeitraum
verfrühen sich ihre Untergänge von 21.01
Uhr auf 20.13 Uhr.
Der Planetenriese Jupiter kommt am
21. in Oppositionsstellung zur Sonne. Solche
Oppositionen haben für die heutigen
Astronomen keinerlei mystische Bedeutung
mehr. Man meint damit lediglich,
dass der Planet dann am Himmel genau
der Sonne gegenüber steht und somit die
ganze Nacht über gut zu beobachten ist.
Schon bei Einbruch der Dunkelheit zeigt
sich Jupiter als imposant leuchtendes,
gelbliches Gestirn am Osthimmel. Seine
höchste Stellung im Süden erreicht er allerdings
erst nach Mitternacht.
Unsere Karte zeigt den Anblick des
Sternenhimmels gegen 23 Uhr. Dann hat
der Große Wagen im Norden schon fast
seine tiefste Himmelsstellung erreicht.
Dieses Sternbild geht auf unseren Breiten
nie unter, es ist „zirkumpolar“. Hoch im
Südwesten erkennt man jetzt das Sommerdreieck,
das aus den hellen Sternen
Wega, Deneb und Atair gebildet wird.
Ziemlich sternenleer sieht es in Richtung
Süden und Südosten aus, besonders wenn
der Nachthimmel in Stadtnähe etwas aufgehellt
ist. Einziges Glanzlicht in dieser
Himmelsrichtung ist Jupiter im unscheinbaren
Sternbild der Fische. Interessanter
ist der Blick nach Nordosten, wo Fuhrmann,
Perseus und die Plejaden emporsteigen
Autor: Volker Kasten |
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