Am 8. Juni dieses Jahres ist von von fast ganz Europa ein Venustransit zu beobachten. Dabei schiebt sich der Planet Venus ab 7:19 Uhr zwischen Erde und Sonne und ist dadurch als kleine schwarze Scheibe vor der Sonne zu sehen (bis 13:19 Uhr). Venustransits sind sehr selten. Der letzte konnte am 06. Dezember 1882 beobachtet werden. Kein lebender Mensch hat somit bisher die Gelegenheit gehabt diesem Ereignis beizuwohnen. Dass diese Transits so selten sind liegt an den verschiedenen Umlaufzeiten von Erde und Venus um die Sonne, sowie daran, dass die Bahnen der beiden Planeten gegeneinander leicht gekippt sind. Nur wenn Erde und Venus gleichzeitig in der Nähe der sogenannten Knotenlinie (die Linie, auf der sich die beiden Bahnebenen schneiden) stehen kann solch ein Transit beobachtet werden. Venustransits treten deshalb im Rhythmus von 8 - 105,5 - 8 - 121,5 Jahren auf. Somit ist der nächste Transit schon im Jahr 2012. Allerdings ist dieser von Europa nur schlecht zu sehen, da die Sonne erst aufgeht, wenn der Transit schon fast vorbei ist.
Es gibt einige sichere Arten einen solchen Transit anzugucken. Die einfachste Methode ist die sogenannte Camera Obscura. Dabei wird mit einer Nadel ein Loch in einen Bogen Tonpapier gestochen und dieser gegen die Sonne gehalten. Hinter diesen Bogen hält man einen zweiten in gewissem Abstand, auf dem dann die Sonne abgebildet wird. Man kann auch eine kleine Pappbox bauen und eine Rückwand durch ein Stück Pergamentpapier ersetzen. Auf der gegenüberliegenden Seite wird dann das Loch eingestochen durch das das Sonnenlicht auf das Pergamentpapier fällt. Eventuell muss man des Lochs mit der Nadel etwas aufweiten, um ein gutes Abbild der Sonne zu erhalten.
Eine zweite Möglichkeit ist die Projektion der Sonne auf einen Projektionsschirm oder Blatt Papier. Dazu kann man auch ein Fernglas verwenden. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass nicht alle Okulare dafür geeignet sind. Durch die Bündelung des Sonnenlichts entsteht extreme Hitze, die eventuelle Verkittungen von Linsen zerstören kann. Man sollte also das Teleskop nur kurz auf die Sonne richten, um zu projezieren.
Die dritte Möglichkeit ist die Verwendung von speziellen Filtern oder Filterfolien, die im Fachhandel erhältlich sind. Diese können vor der Optik von Teleskopen und Ferngläsern angebracht und dann damit direkt in die Sonne geschaut werden. Bei geübtem Umgang ist auch diese Methode sicher. Bei der Verwendung der sogenannten Finsternisbrillen dürfen keine zusätzlichen optischen Geräte benutzt werden, da sie nur das ungebündelte Sonnenlicht abschirmen können.
Es sei hier eindrücklich darauf hingewiesen, dass die Verwendung von hier nicht angegebenen Hilfsmitteln wie z.B. Rettungsdecken, belichteten Filmen, CDs, Schweißerbrillen, gerußten Gläsern etc. zu einer schweren Schädigung der Augen führen kann, bis hin zum vollständigen Verlust des Augenlichts. Dasselbe gilt für den ungeschützten Blick in die Sonne, sei es mit optischen Geräten oder ohne. Natürlich geschieht auch die Verwendung der oben genannten sicheren Hilfmittel auf eigenes Risiko. Für Schäden, die durch unsachgemäßen oder ungeübten Umgang entstehen, besteht keinerlei Haftung seitens der Volkssternwarte Hannover.
Wer sich nicht die Mühe machen möchte, selbst entsprechende Hilfmittel zu bauen oder zu kaufen, der ist herzlich dazu eingeladen dieses selten Himmelsschauspiel auf der Sternwarte Hannover zu beobachten. Dort stehen geeignete Teleskope mit Filtern (sogar ein H-alpha-Filter, bei dem auch die Eruptionen am Sonnenrand sichtbar sind) zur Verfügung. Zu diesem Zweck ist die Sternwarte am Dienstag, dem 08. Juni 2004, ab 7:00 MESZ geöffnet.
Der Transit beginnt dann um 7:19 Uhr, wenn Venus das erste Mal die Sonne scheinbar berührt. Um 7:39 Uhr hat sie sich schließlich ganz auf die Sonnenscheibe geschoben. Diese 20 Minuten sind dabei sicherlich die spannendsten während des gesamten Transits. Das gilt natürlich auch für den Austritt, der um 13:03 Uhr beginnt und um 13:23 Uhr endet.
Für weitere Informationen kann hier ein PDF-Dokument des Sondervortrags vom 3. Juni heruntergeladen werden (2,3 MB). Es enthält eine Reihe von Informationen zur Geschichte der Venustransits und der Beobachtung derselben.
Außerdem gibt es im Internet weitere Informationen, wobei die besten nur in englischer Sprache verfügbar sind:
Venustransitseiten der Europäischen Südsternwarte (ESO) (englisch) Beobachtungshinweise der ESO (englisch) Venustransitseiten der NASA (englisch) Venustransit.de (deutsch) Linksammlung von Venustransit.de (deutsch) |