"Da ich die Jupiterbedeckung auf keinen Fall verpassen wollte, stellte ich meinen Wecker auf 2:30 Uhr. Laut Wetterbericht sollte es noch einige Schauer, aber auch Wolkenlücken geben. Als ich abends, fünf Stunden vor der Bedeckung, aus dem Fenster sah, waren am Himmel tatsächlich schon größere Lücken zu erkennen. Der Mond stand noch etwa fünf Monddurchmesser vom Jupiter entfernt, auch so schon ein hübscher Anblick. Ich war guter Hoffnung wenigstens etwas von der Bedeckung in ein paar Stunden sehen zu können.
Als ich dann um halb drei am nächsten Morgen aufstand, sah ich nach Westen aus dem Fenster. Der Himmel war total bedeckt. Wenig später begann Wetterleuchten und starker Regen - wie sollte es auch anders sein... Zum Glück war das Gewitter nach einer halben Stunde vorbei, die Wolken zogen nach Osten ab und der Himmel klarte auf. Jupiter stand jetzt weniger als ein halbes Grad vom Mond entfernt. Kaum zu glauben, dass ich doch noch so viel Glück haben sollte! Schnell zog ich mich um und fuhr mit meinem Fahrrad zum Teleskop der Universität Hannover. Dort steht, wie an der Volkssternwarte, ein Linsenfernrohr mit 20 cm Öffnung und 3 m Brennweite. Nachdem ich die Kuppel geöffnet und das Teleskop auf Mond und Jupiter ausgerichtet hatte, begann ich mit der Beobachtung. Die beiden standen nur noch etwa 10 Grad über dem Horizont. Bei 90-facher Vergrößerung waren sehr schön die vier Jupitermonde zu erkennen. Sie standen alle auf der dem Erdmond zugewandten Seite von Jupiter und sollten somit einer nach dem anderen, noch vor Jupiter, bedeckt werden.
Um 3:30 Uhr, also etwa 20 Minuten vor Beginn der Jupiterbedeckung, bemerkte ich dann einige Wolken am Horizont. Diese kamen schnell näher und um 3:40 Uhr, nur Sekunden bevor der erste Jupitermond hinter unserem Mond verschwinden sollte, war nichts mehr zu erkennen. In den folgenden Minuten zogen immer wieder kleine Lücken direkt am Mond vorbei, gerade so, dass ich nichts vom Mond, Jupiter und seinen Monden sehen konnte.
Doch dann, 3:48 Uhr, gaben die Wolken den Mond für zwei Sekunden frei. Jupiter war schon fast komplett hinter dem Mond verschwunden. Danach war wieder alles dicht. Naja, wenigstens hatte ich dieses bisschen von der Bedeckung mitbekommen. Trotzdem war ich eingigermaßen frustriert, dieses seltene Himmelschauspiel nur um Minuten verpasst zu haben. Da der Mond kurz danach unterging und somit der Austritt Jupiters nicht beobachtbar war, beschloss ich nach Hause zu fahren.
Natürlich waren auf dem Rückweg große Wolkenlücken am Himmel. Murphy hatte wieder einmal ganze Arbeit geleistet..." |